Nachhaltiges Wassermanagement in der Landwirtschaft
Erst langanhaltende Dürreperioden, dann Starkregenereignisse mit Überschwemmungen: In den vergangenen Jahren war Wasser für Bernhard Ridder immer wieder ein Thema, um das er sich intensiv kümmern musste. Der 41-jährige Landwirt betreibt auf seinem Hof bei Borken im Westmünsterland Bullenmast, Hähnchenmast und Ackerbau. „Wasser ist das wichtigste ‚Grundnahrungsmittel‘ für die Tiere und Pflanzen“, betont er. Seit dem Frühjahr 2025 nimmt er an einem Pilotprojekt teil, das ihm in Zusammenarbeit mit dem Projektkoordinator Carsten Bohn ein effizientes und nachhaltiges automatisiertes Wassermanagement ermöglicht. Und davon profitieren nicht nur seine Tiere und Pflanzen, sondern die ganze Region.




Projekt "Wassermanagement" im Video-Porträt


Bernhard Ridder engagiert sich schon länger für das Thema Wasser in der Landwirtschaft, zum Beispiel als Mitglied im Beirat der lokalen Wasserkooperation. Er sagt, er sei „immer offen für etwas Neues“ – und war deshalb sofort interessiert, als ein Landwirt mit Lust und Zeit für ein innovatives, vom Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MLV) NRW gefördertes Wassermanagement-Projekt gesucht wurde. Als Projektleiter wurde ihm dafür Carsten Bohn vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband e.V. (WLV) zur Seite gestellt. „Die Zusammenarbeit lief reibungslos. Ich hatte mit Carsten eine superfähige Person, die sich um alles gekümmert hat. Ich musste nur den Acker zur Verfügung stellen“, berichtet Bernhard Ridder.
Neben einem gesteuerten Rückhalt von Wasser in einem Entwässerungsgraben wird als weiterer Feldversuch im Projekt ein telemetrisch steuerbares Drainagesystem zur Wasserspeicherung und -anreicherung im Boden und Grundwasser in der Praxis erprobt. Die von Carsten Bohn organisierte Anlage basiert auf digitaler Mess- und Steuertechnik und besteht im Wesentlichen aus einem Kontrollschacht, in dem sich eine telemetrisch bedienbare Steuerungseinheit befindet, über die die Höhe des Wasserstandes im Schacht reguliert werden kann. Das über das Drainagesystem gesammelte Wasser wird dem Kontrollschacht über einen bereits vorhandenen Sammelschacht zugeführt. Sensoren erfassen für die Steuerung relevante Daten zu Grundwasserständen in der Ackerfläche und der Füllhöhe des Kontrollschachtes, die Messwerte werden mit weiteren relevanten Daten in einem digitalen Dashboard sichtbar gemacht. „Über das Dashboard der App kann ich den Drainageabfluss regeln, also entweder Wasser zurückhalten oder gezielt von der Fläche ableiten“, sagt Bernhard Ridder. Eine seiner Ackerflächen war geradezu ideal für das Projekt geeignet, berichtet der Landwirt: „Dort liegen am Drainageabfluss rund 18 ha Fläche. Im unteren Bereich ist die Fläche sehr sandig, während sie auf dem höher gelegenem Bereich eher lehmig ist. So kann das Wasser, das man beim Lehm eher loswerden möchte, im Sand für die Pflanzen genutzt werden.“

„Wasser ist eine essenzielle Ressource für die landwirtschaftliche Produktion und damit für die Gewährleistung unsere Ernährungssicherheit“, sagt Carsten Bohn. Er erläutert das Ziel des Feldversuchs: „Wir möchten Mittel und Wege aufzeigen, die eine nachhaltige und klimaadaptive Nutzung und Bewirtschaftung der Ressource Wasser aufzeigen – ohne dass es dabei zu Nutzungskonflikten und Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft kommt.“ Das innovative Wassermanagement-System hilft Bernhard Ridder, auf seinem Hof Dürrephasen zu kompensieren, Überschwemmungen bei Starkniederschlägen zu verhindern und Ernteverluste zu vermeiden. Die natürlichen Wasservorräte werden dabei geschont, weil die Entnahmemenge minimiert wird. Davon profitiert nicht nur der Hof, sondern auch die Region – je mehr Wasser im Acker versickern kann, desto mehr Wasser steht für alle zur Verfügung.
Darüber hinaus sendet das System auch ein klares Signal an die Öffentlichkeit: Die Landwirtschaft erkennt die durch den Klimawandel bedingten Herausforderungen, die uns alle gemeinsam betreffen – und arbeitet aktiv an ihrer Lösung. Denn nicht nur der einzelne landwirtschaftliche Betrieb, sondern die gesamte Gesellschaft profitiert von effizientem Wassermanagement. „Wir zeigen damit, wie Landwirtschaft und Ernährung nachhaltiger gestaltet werden können“, betont Carsten Bohn die Bedeutung des Pilotprojekts in Borken.
Für Bernhard Ridder waren die positiven Effekte des neuen Wassermanagements schon kurz nach der Inbetriebnahme sichtbar. „Pfingsten konnten wir das zurückgestaute Wasser für den Mais nutzen, der dieses Jahr auf der Fläche stand, und dem Grundwasserspiegel tat das auch sehr gut“, berichtet er. Ein wichtiger Aspekt, den Carsten Bohn noch einmal klar hervorhebt: „Gerade der Wasserrückhalt in der Fläche ist von großer Bedeutung. Weil er nicht nur der Landwirtschaft dient, sondern auch dem Naturhaushalt.“ Eine klassische Win-win-Situation – denn was das wertvolle Grundnahrungsmittel Wasser schützt, schützt uns alle.





























