Wenn die Felder ruhig wirken und der erste Frost auf den Wegen liegt, könnte man meinen, dass auf einem Bauernhof im Winter nicht viel passiert. Doch dieser Eindruck täuscht. Viele landwirtschaftliche Tätigkeiten laufen weiter, andere beginnen dann erst.
Landwirtinnen und Landwirte versorgen Tiere, kontrollieren ihre Kulturen, planen die kommende Saison und bereiten Maschinen für den nächsten Einsatz vor. Auf den Äckern schützen Zwischenfrüchte derweil den Boden, Winterweizen und Winterraps wachsen weiter und Frost kann die Bodenstruktur verbessern. Dazu kommen Engagement im Dorf, Winterversammlungen, Winterdienst mit dem Traktor und Lichterfahrten, die Landwirtschaft sichtbar machen. Für VerbraucherInnen bleibt diese Arbeit oft unsichtbar. Im folgenden Beitrag erfährst Du mehr dazu, was Landwirtinnen und Landwirte im Winter machen.

Ein Acker muss im Winter nicht kahl sein. Viele Flächen sind mit Wintergetreide und Zwischenfrüchten begrünt. Eine Zwischenfrucht wächst zwischen zwei Hauptkulturen und wird meist nicht für den Teller geerntet. Sie schützt und stärkt den Boden für die darauffolgende Kultur.
Ihre Wurzeln lockern den Boden, die Pflanzendecke schützt ihn vor Erosion durch Wind und Starkregen. Gleichzeitig nehmen Zwischenfrüchte Nährstoffe auf, die sonst leichter ins Grundwasser gelangen und dadurch verloren gehen könnten. Im Frühjahr werden sie je nach Anbauverfahren eingearbeitet oder als schützende Schicht auf der Fläche belassen. Die sogenannten „Winterrübsen“ können als winterharte Kultur ebenfalls in passenden Fruchtfolgen als Zwischenfrucht angebaut werden. So wird der Boden für die nächste Kultur vorbereitet. Für Menschen, die am Feld vorbeikommen, wirkt die Fläche vielleicht verwahrlost. Tatsächlich arbeitet dort aber ein lebendiger Boden weiter.
Wie vielfältige Fruchtfolgen und eine möglichst dauerhafte Bodenbedeckung funktionieren, erfährst Du auch in unserem Beitrag über regenerative Landwirtschaft.

Frost ist für den Boden nicht nur eine Belastung. Auf schweren, wasserhaltigen Böden kann der Wechsel aus Gefrieren und Auftauen eine „Frostgare“ bilden. Dabei dehnt sich gefrierendes Wasser im Boden aus. Grobe Schollen und Strukturen werden aufgebrochen, der Boden kann krümeliger und lockerer werden.
Das verbessert unter passenden Bedingungen die Versorgung des Bodens mit Luft und Wasser. Für Landwirtinnen und Landwirte ist das eine natürliche Vorbereitung für die nächste Saison bzw. Kultur. Entscheidend ist jedoch, den Boden nach dem Auftauen nicht zu früh mit schweren Maschinen zu befahren. Sonst können die gelockerte Struktur und die Vorteile der Frostgare wieder verloren gehen. Ob ein Feld befahren werden kann, entscheiden Betriebe deshalb nicht nach Kalender, sondern nach Bodenfeuchte, Witterung und Befahrbarkeit.

Viele Menschen verbinden Landwirtschaft mit Aussaat im Frühjahr und Ernte und Sommer. Wintergetreide zeigt, dass der Jahreslauf auch anders funktionieren kann: Winterweizen, Winterroggen oder Wintergerste werden im Herbst gesät. Auch Winterraps steht im Winter auf vielen Feldern.
Die jungen Pflanzen überwintern auf dem Acker. Wintergetreide braucht einen Kältereiz, damit es im folgenden Jahr Ähren und Körner bilden kann. Die Wintermonate gehören deshalb zur Entwicklung der Kultur. Die Pflanzen nutzen im Frühjahr ihren Wachstumsvorsprung und werden im Sommer geerntet. Auch der Winterraps bildet im Herbst bereits eine kräftige Rosette und setzt sein Wachstum fort, sobald es im Frühjahr wieder wärmer wird.
Warum einige Getreidearten im Herbst und andere im Frühjahr ausgesät werden, erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag Sommer- und Wintergetreide.

Wenn der Arbeitsdruck auf dem Feld geringer wird, beginnt auf vielen Höfen die Werkstattzeit. Traktoren, Sämaschinen, Düngerstreuer und Erntetechnik werden gereinigt, gewartet und bei Bedarf instandgesetzt. So sind die Maschinen bereit, wenn die Arbeit im Frühjahr wieder Fahrt aufnimmt.
Gleichzeitig planen Landwirtinnen und Landwirte die kommenden Monate. Wie entwickeln sich Futtervorräte, Düngerbedarf und Betriebskosten? Auch Dokumentation, Weiterbildung und Gespräche mit Beratung, Handel oder Genossenschaften gehören zu den Aufgaben eines Landwirts im Winter. Viele Entscheidungen müssen lange vor der Aussaat fallen, weil Saatgut, Maschinen und Arbeitsabläufe aufeinander abgestimmt werden müssen.
Betriebe mit Tierhaltung kennen ohnehin keine arbeitsfreien Zeiten. Kühe, Schweine, Hühner und andere Tiere brauchen auch im Winter Futter, Pflege und regelmäßige Kontrollen. Ob Kühe im Winter draußen sind, hängt vom Haltungssystem, von der Witterung und von den Bedingungen auf dem jeweiligen Betrieb ab. Im Stall achten LandwirtInnen zum Beispiel auf Futteraufnahme, Wasser, Liegeflächen und das Verhalten der Tiere.

Bei Schnee und Glätte unterstützen manche Betriebe ihre Gemeinden beim Winterdienst. Ein Traktor mit Schneepflug kann Straßen, Wege oder große Flächen räumen. Gerade im ländlichen Raum hilft diese Schneeräumung mit dem Traktor dabei, dass Menschen sicher zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt kommen.
Winterdienst mit Traktor ist keine Pflichtaufgabe der Landwirtschaft. Wo LandwirtInnen diesen übernehmen, bringen sie Erfahrung im Umgang mit großen Maschinen und die passende Ausstattung ein. Oft beginnt der Einsatz früh am Morgen, lange bevor viele Menschen die geräumte Straße sehen. Der Auftrag und die Verantwortung liegen dabei je nach Einsatz bei der Gemeinde oder dem jeweiligen Auftraggeber.
Quelle: DLG-Mitteilungen: „Winterdienst. Das müssen Sie beachten“

Der Winter ist auf vielen Höfen auch die Zeit für verstärkten Austausch und ehrenamtliches Engagement. Viele LandwirtInnen engagieren sich in Vereinen, der Freiwilligen Feuerwehr, in der Kommunalpolitik und in landwirtschaftlichen Organisationen. LandwirtInnen organisieren Veranstaltungen, vertreten die Interessen ihrer Region und setzen sich für die Zukunft der Landwirtschaft ein.
Analoge und digitale Winterversammlungen schaffen Raum für Gespräche über neue Vorschriften, Märkte, Tierhaltung, Pflanzenbau und die Herausforderungen der Betriebe. Hier lernen LandwirtInnen voneinander und entwickeln gemeinsame Lösungen und Positionen für ihre Region.
Du suchst eine Präsentation für eine Winterversammlung und möchtest MAG DOCH JEDER vorstellen? Hier findest Du Präsentationen zur Initiative für Veranstaltungen.

Wenn beleuchtete Traktoren durch Orte fahren, ist das mehr als ein schöner Anblick in der Adventszeit. Eine Lichterfahrt entsteht oftmals durch das ehrenamtliche Engagement vieler LandwirtInnen. Lichterfahrten mit Traktoren bringen Familien an die Straßen, schaffen Begegnungen und machen sichtbar, wer täglich für Lebensmittel und das Leben im ländlichen Raum arbeitet.
MAG DOCH JEDER war in den letzten Jahren mit Schildern und Projektoren bei mehreren Lichterfahrten in NRW dabei und hat die dortigen Landwirtinnen und Landwirte unterstützt. Mehr dazu liest Du im Jahresblatt: „MAG DOCH JEDER auf Lichterfahrten“. Solche Fahrten ersetzen keine Gespräche über Landwirtschaft, sondern präsentieren die Branche und ihre Menschen in einem ansonsten eher seltenen emotionalen Umfeld.
Quelle: Landwirtschaft – MAG DOCH JEDER!: „MAG DOCH JEDER auf Lichterfahrten“
Landwirtschaft im Winter ist Vorbereitung. Die Felder werden durch Zwischenfrüchte, Winterkulturen und Frost auf die neue Saison vorbereitet. Auf dem Hof laufen Tierhaltung, Wartung, Planung und Dokumentation weiter. Und viele LandwirtInnen übernehmen Verantwortung über den eigenen Betrieb hinaus: im Ehrenamt, bei Winterversammlungen, beim Winterdienst oder bei Lichterfahrten.
Im Winter werden die Grundlagen dafür gelegt, was im Frühjahr und Sommer sichtbarer wird: Pflanzen, Tiere und die Lebensmittel von morgen. Wer Winterurlaub auf dem Bauernhof macht, erlebt diese Arbeit oft aus nächster Nähe und sieht, wie viel auf einem Hof auch außerhalb der Erntezeit passiert.