Nach Hochrechnungen der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung bis 2050 von heute 8 auf 9,7 Milliarden Menschen anwachsen. Dadurch wird der Bedarf an Nahrungsmitteln erheblich steigen. Um diesem gerecht zu werden, braucht es nachhaltige und klimaschützende Methoden der Lebensmittelerzeugung. Eine relativ neue Methode ist die vertikale Landwirtschaft - ein Konzept, das die Landwirtschaft „in die Höhe“verlagert. Wie zukunftsträchtig ist „Vertical Farming“ und wie stark ist diese Form bereits verbreitet? Was sind Vor- und Nachteile von solchen „Anbau-Hochhäusern“? Antworten auf diese Fragen geben wir im folgenden Beitrag.
Die vertikale Landwirtschaft ist ein Ansatz, bei dem Pflanzen mehrstöckig, d.h. übereinander angebaut werden. Diese Methode kombiniert verschiedene moderne Technologien, um eine kontrollierte Umgebung für den Pflanzenbau zu schaffen. Zum Teil werden die Pflanzen komplett in Innenräumen ohne Sonnenlicht angebaut – diese Art des Anbaus nennt man „Indoor Farming“.

Vertikale Landwirtschaft bietet einige Vorteile:

Der vertikale Anbau bringt einige Herausforderungen mit sich und wird den traditionellen Ackerbau in der Horizontalen nie vollständig ersetzen können.

Die klassische horizontale Landwirtschaft wird weltweit auf viele Jahre die dominierende Form der Landwirtschaft bleiben. Landwirtinnen und Landwirte können aber bereits heute vertikalen Anbau in bestehende konventionelle Ansätze integrieren. Zum einen können sie dadurch ihr Angebot diversifizieren und somit neue Einnahmen generieren, die zudem unabhängig von Saison und Wetterbedingungen sind. Vertikale Landwirtschaft bedeutet auch eine Anpassung der Betriebsstrukturen an den Klimawandel. Die betriebswirtschaftliche Seite bleibt jedoch eine Herausforderung.
Die größte vertikale Indoor Farm Europas befindet sich in Dänemark. Dort baut das Unternehmen Nordic Harvest auf 7.000 Quadratmetern und 14 Etagen 20 verschiedene Sorten Blattgemüse, Kräuter und Salat an. Pro Tag erntet das Unternehmen drei Tonnen Gemüse – an 365 Tagen des Jahres. Den für den Betrieb notwendigen Strom erzeugt das Unternehmen über eine Windkraftanlage und produziert damit klimaneutral. Die weltweit größte vertikale Farm eröffnete 2022 in Dubai, wo der Gemüseanbau im Außenbereich aufgrund der klimatischen Bedingungen herausfordernd ist. Auch hier steht Blattgemüse derzeit im Fokus des Anbaus, doch will man dort demnächst auch Erdbeeren und Obst erzeugen. Vertical Farming muss nicht unbedingt groß sein: In einigen deutschen Supermärkten gibt es bereits „kleine vertikale Farmen“, die täglich frische Kräuter produzieren.

Die vertikale Landwirtschaft gilt nach Einschätzung mancher Beobachter als eine vielversprechende Methode der nachhaltigen Lebensmittelproduktion, besetzt bisher aber eher einen Nischenmarkt. Sie wird die klassische, erdbasierte Landwirtschaft in der Horizontalen nie vollständig ersetzen können, in den kommenden Jahrzehnten aber in bestimmten Bereichen ausgebaut werden. Erkennbar ist die Verbreitung der vertikalen Landwirtschaft in städtischen Gebieten. Urban Farming ist nah an der städtischen Verbraucherschaft, verbessert deren Versorgung mit frischem Gemüse und verringert Transportemissionen. Auch für Gebiete mit extremen Wetterbedingungen, wie Wüsten oder Polargebiete, bieten vertikale Farmen Potenzial, denn Lebensmittel können dort in geschützten Umgebungen angebaut werden und Versorgungslücken schließen. Und es gibt auch echte Visionen so denken Zukunftsforscher darüber nach, vertical Farming in Raumfähren zu betreiben.