Als eine der ältesten Getreidearten der Welt spielt Roggen eine entscheidende Rolle in unserer Ernährung. Ob im Brot oder Müsliriegel, Roggen ist in vielen unserer Lebensmittel zu finden. Doch wie wird Roggen angebaut und zu welchen Produkten wird er weiterverarbeitet? In diesem Beitrag portraitieren wir die Roggenpflanze.
Roggen (lateinisch „Secale cereale“) ist ein Teil der Familie der Süßgräser und gehört zu den Getreidearten. Die Roggenpflanze kann bis zu 1,5 Meter hoch werden und besteht aus dem Wurzelwerk, einem Halm und der Ähre. Der Halm ist grün und starr und dient als Stütze für die restliche Pflanze. Entlang des Halms hat die Pflanze lange, schmale Blätter, über die sie Photosynthese betreibt und ihren Wasserhaushalt reguliert. Am Ende des Halms bildet sich die Ähre aus, die die Fruchtstände der Pflanze enthält. Genau genommen sind es viele kleine Ähren, die jeweils mehrere Blüten enthalten und die sich zu Roggenkörnern entwickeln.
Roggen ist in vielen Brot- und Backwaren zu finden, die wir täglich konsumieren. Am bekanntesten sind das namengebende Roggenbrot oder die Roggenbrötchen. Aber auch bei der Herstellung alkoholischen Getränken, wie Whisky und Wodka, wird Roggen verwendet. Zudem ist das Getreide in einigen Biersorten ein wichtiger Bestandteil, insbesondere in traditionellen Roggenbieren, die ihren Ursprung in Deutschland haben. Darüber hinausdient Roggen auch als Tierfutter, da er viele Ballaststoffe und Proteine beinhaltet. Auch die Halme der Roggenpflanze finden Verwendung: Als Einstreu in Tierställen, zum Mulchen in Gärten oder im Kunsthandwerk zur Herstellung von Hüten.

Roggen ist bekannt für seine Robustheit und seine Anpassungsfähigkeit. Er kann auch in kühleren und trockeneren Regionen gut gedeihen. Aufgrund dieser Eigenschaften wird Roggen oft auf Böden angebaut, die für den Anbau anderer Getreidearten weniger geeignet sind. In der Vergangenheit galt Roggen als Nahrungsmittel der Armen, da er billiger und leichter anzubauen war als Weizen.


Die weitere Verarbeitung von Roggen variiert je nach Verwendungszweck. Für die Herstellung von Mehl wird Roggen gemahlen. Häufig wird das gesamte Korn gemahlen, um Vollkornroggenmehl zu erzeugen. Wenn nur das Innere des Korns (der Endosperm) gemahlen wird, entsteht weißes Roggenmehl. Roggenflocken entstehen, indem die Roggenkörner zunächst zu Grütze zerkleinert werden. Diese wird dann durch Erhitzen und anschließendes Walzen in Form gebracht. Durch diesen Prozess entstehen die typischen, flachen Flocken, die sich für Müsli, leckere Riegel oder als Zutat in Brot eignen. Bei der Herstellung von Alkohol, wie Roggenwhisky oder -wodka, wird der Roggen zunächst gemahlen und dann einem Fermentationsprozess unterzogen, bei dem die Stärke in Alkohol umgewandelt wird. Anschließend wird das Produkt destilliert, um den Alkoholgehalt zu erhöhen.

Die Hauptunterschiede zwischen Winter- und Sommerroggen liegen in ihrer Anbauzeit und der Wachstumsperiode. Winterroggen wird im Herbst ausgesät und überwintert im Boden, bevor er im Frühjahr weiterwächst. Aufgrund der längeren Wachstumsperiode erzielen Landwirte und Landwirtinnen höhere Erträge mit Winterroggen, gleichzeitig ist er aber anfälliger für Schädlinge. Winterroggen eignet sich zudem als Zwischenfrucht und für die ganzjährige Bodendeckung, die sich nachweislich positiv auf die Bodenfruchtbarkeit und den Erosionsschutz auswirkt.
Sommerroggen hat eine kürzere Wachstumsperiode und ist weniger anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Jedoch sind die Erträge bei Sommerroggen in der Regel geringer als bei Winterroggen.