Wir sagen nicht ohne Grund, dass jemand fleißig wie eine Biene ist – denn häufig sieht man die emsigen Insekten ohne sichtbare Pausen von Blüte zu Blüte fliegen. Dabei sammeln sie Nahrung in Form von Pollen. Gleichzeitig erweisen sie uns Menschen einen ungemein wichtigen Dienst: Sie bestäuben Pflanzen und ermöglichen so das Wachstum von Samen und Früchten – unsere Nahrung. Doch Bienen sind immer stärker bedroht, unter anderem durch einige in Pflanzenschutzmitteln enthaltenen Wirkstoffe: Die Neonicotinoide. Welche Bedeutung dieser Wirkstoff für die Gesundheit der Bienen hat und was Du zum Bienenschutz beitragen kannst, das zeigen wir in diesem Beitrag.
Neonicotinoide, kurz Neonics, sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die als Insektizid (Pflanzenschutzmittel) gegen schädliche Insekten wie Blattläuse und Zwergzikaden wirken. Es handelt sich dabei um ein selektives Nervengift, das auf die Nervenzellen von Insekten wirkt, bei Wirbeltieren hingegen kaum eine Wirkung hat. Um Pflanzen vor Schädlingen zu schützen, wird Saatgut meist in Neonicotinoiden gebeizt. Nach der Aussaat und im Zuge des Wachstums verteilt sich der Wirkstoff in der ganzen Pflanze und schützt sie von der Wurzel bis zum Blatt. Inzwischen wissen wir jedoch, dass Neonicotinoide in den Pollen und im Nektar der Pflanze nachzuweisen sind und auf diese Weise bestäubende Insekten wie Honigbienen, Hummeln und Schmetterlinge schädigen.

Da Neonicotinoide Nervengifte sind, stören sie die Weiterleitung von Reizen und wirken sich so auf die Funktion des Nervensystems aus. Je nach Tier hat dies unterschiedliche Folgen. Prof. Dr. Randolf Menzel, ein Neurobiologe der Freien Universität Berlin, forscht zur Wirkung von Neonicotinoiden auf Bienen und verglich deren Effekt mit Alzheimer: Bienen, die normalerweise über ein gutes Langzeitgedächtnis verfügen und selbst weite Wege zu ihrem Stock oder Nistplatz zurückfinden, verloren unter Einfluss von Neonicotinoiden häufiger die Orientierung und fanden den Weg zurück nicht. Die Bienen waren zudem insgesamt träger – flogen also weniger häufig aus –, und kommunizierten weniger mit Artgenossen. Neonicotinoide sind selten auf direktem Wege tödlich für Bienen, sie beeinträchtigen das natürliche Verhalten der Bienen immens. Besonders bei Wildbienen, die meist Einzelgänger sind, ist dies besonders problematisch, da sie in Einzelarbeit die Brut für das nächste Jahr vorbereiten und eine vernachlässigte Brut wenig Überlebenschancen hat. Bei Honigbienen, die im Team arbeiten, kann der Stock den Ausfall einzelner Tiere eher ausgleichen.

Nach Veröffentlichung mehrere Studien, die das Risiko von Neonicotinoiden für Bienen und deren Gesundheit nachgewiesen hatten, verbot der Europäische Gerichtshof im Jahr 2021 insgesamt drei wichtige Substanzen innerhalb der Wirkstoffklasse der Neonicotinoide: Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Diese dürfen auf Äckern innerhalb der EU nur noch ausnahmsweise, d.h. mit einer Notfallzulassung ausgebracht werden, wenn beispielsweise gravierende Ernteausfälle durch Insekten drohen. Da das Verbot erst kürzlich verabschiedet wurde, gibt es noch keine verlässlichen Ergebnisse zu dessen Wirkung auf Insektenpopulationen oder Ernteausfälle in der EU.
Weil es noch weitere bienenschädliche Stoffe gibt, fordern Umweltverbände, dass Insektizide nicht mehr vorsorglich (wie im Falle des gebeizten Saatguts) ausgetragen werden, sondern ausschließlich bei nachgewiesenem Schädlingsbefall.

Das Bienensterben der letzten Jahre hängt nicht nur mit Neonicotinoiden zusammen, sondern auch mit der zunehmenden Versiegelung von Flächen durch Straßen, Häuser und andere Infrastruktur. Denn diese verlängern die Flugwege der Insekten und erschöpfen sie. Deshalb geht Bienenschutz uns alle etwas an und mit wenigen Maßnahmen kannst Du viel bewirken! Wenn Du einen Garten oder Balkon hast, haben wir einige Tipps für Dich, wie Du Wild- und Honigbienen und andere bestäubende Insekten sehr effektiv unterstützen kannst:

