Ob Vogelgrippe, Schweinepest oder Blauzungenkrankheit: Tierseuchen sind zu einem relevanten Thema in der Landwirtschaft geworden. Und zu einer Dauersorge, wie Alexander Tenkmann betont. „Ich sehe die Situation sehr kritisch“, sagt der 28-jährige Landwirt. Er betreibt auf dem Hof seiner Familie in Horstmar-Leer Schweinemast, Hähnchenmast und Ackerbau – und hat sich schon frühzeitig mit dem Thema Biosicherheit auseinandergesetzt. Welche konkreten Maßnahmen dafür sinnvoll und wirksam sind, erklärt Dr. Anna Fellmann, Leiterin des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamts des Kreises Steinfurt, bei einem Besuch des Betriebs.




Alexander Tenkmann und Dr. Anna Fellmann
„Tierseuchenschutz ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein dauerhafter Prozess.“ Darauf weist Ende 2025 ein Artikel in der Verbandszeitung dbk des Deutschen Bauernverbands e. V. hin. Die Lage bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland wird im Artikel als „stabil“ bezeichnet – während der Geflügelpest (HPAI), landläufig als Vogelgrippe bekannt, ein „wachsendes Seuchengeschehen“ diagnostiziert wird. Als Schweine- und Hähnchenmastbetrieb muss der Hof Tenkmann beide dieser Krankheitserreger im Blick behalten und penibel auf Prävention achten. „Bis jetzt ist es hier noch ruhig, aber ich hoffe mal, dass wir es hier in dieser Region nicht kriegen werden. Ansonsten sind sehr viele Betriebe davon betroffen“, sagt Alexander Tenkmann.

Dr. Anna Fellmann freut sich, dass der Landwirt bereits viele Dinge umgesetzt hat, die das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt empfiehlt und fordert – zum Beispiel „die Einfriedung, die Hygieneschleuse und die Einrichtung eines Krankenstalles, der jetzt gerade eben leer ist, zum Glück.“ Sie bezeichnet Tierseuchen als eher großes Risiko für landwirtschaftliche Betriebe. Und dieses Risiko geht über den einzelnen Betrieb hinaus. Denn wenn an einem Standort Tiere erkranken und eine Krankheit ausbricht, werden auch alle anderen Betriebe in der Umgebung des Seuchenausbruchs stark gemaßregelt, erklärt sie: „Durch Verbringungsverbote dürfen sie die Tiere weder ein- noch ausstallen. Das führt häufig dazu, dass auch das Tierwohl in den Ställen leidet.“

Eine wichtige Grundmaßnahme der Seuchenprävention ist die adäquate Einzäunung des gesamten Betriebs. „Dazu gehören eine Umzäunung und ein verschließbares Tor, um unbefugten Personen oder auch Wildtieren den Zutritt zu verwehren“, erläutert Dr. Anna Fellmann. In den Stallbereichen ist Hygiene oberstes Gebot: „Beim Betreten des Tierbestandes ist es wichtig, Hygienemaßnahmen walten zu lassen. Dazu gehört das Anlegen von Schutzkleidung, vom Stiefel (bis) über den Overall bis hin zu Handschuhen für externe Besucher.“ Außerdem weist die Veterinärin darauf hin, dass eine effektive Prävention immer von einer lückenlosen Dokumentation begleitet werden muss: „Die Kontakte des Betriebes zu externem Personal oder zu externen Besuchern müssen adäquat dokumentiert werden.“ Denn nur so ist im Falle eines Ausbruchs eine Rückverfolgung möglich: Wo kam das Virus her – und wohin ist es möglicherweise weitergetragen worden?

Die betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen dienen neben der Verhinderung und Eindämmung von Tierseuchen noch weiteren wichtigen Ziele: Verbraucherschutz, Steigerung des Tierwohls und Sicherung der Lebensmittelversorgung. Denn, wie Dr. Anna Fellmann betont: „Für die Bevölkerung kann ein massives Tierseuchengeschehen natürlich auch gravierende Folgen haben.“ Zum Beispiel Lebensmittelknappheit, falls es zu einem großflächigen Ausbruch eines Erregers kommt. Sowohl auf behördlicher als auch betrieblicher Seite wird jedoch alles getan, um das zu verhindern: „Den Verbraucherinnen und Verbrauchern möchte ich signalisieren, dass unsere landwirtschaftlichen Betriebe auf höchstem Tierschutz- und Tierwohlniveau ihre Lebensmittel produzieren. Und wir tun gemeinsam alles dafür, damit diese sicheren Lebensmittel für sie in den Verkehr gebracht werden können“, erklärt die Veterinärin.
Mit den Präventionsmaßnahmen auf dem Hof Tenkmann zeigt sich Dr. Anna Fellmann sehr zufrieden. Sie wünscht sich, dass dieses gute Beispiel weitere Betriebe motiviert, die eigenen Biosicherheitsmaßnahmen entsprechend hochzufahren. Alexander Tenkmann schließt sich diesem Wunsch an – und formuliert abschließend ganz klar: „Wir wollen gute und vernünftige Produkte herstellen und die an Verbraucher bringen.“. Der Schutz seiner Tiere und ihr Wohlergehen sind für ihn ein weiterer Antrieb, sich konsequent für Biosicherheit zu engagieren.