„Wir müssen das Verständnis für unseren Beruf in der Gesellschaft wieder viel mehr vertiefen!“ Man merkt Andreas Westermann schnell an, dass sein Engagement weit über seinen Hof in Ennigerloh im Kreis Warendorf hinausgeht. Dort stehen vor allem die Schweineaufzucht und Schweinemast im Mittelpunkt, ergänzt durch Ackerbau. Der 51-jährige Diplom-Ingenieur Agrar (FH) kann dabei auf eine lange Tradition der Hofstelle zurückblicken: Seine Familie bewirtschaftet den Betrieb in der Bauernschaft Beesen bereits seit Jahrhunderten, die erste Erwähnung des Standorts datiert aus dem Jahr 1384. Vielleicht ist Landwirt für ihn auch deshalb „mehr als ein Beruf – sondern eine Berufung mit viel Leidenschaft.“



Im Jahr 1998 übernahm Andreas Westermann den Familienbetrieb. „Historisch ist das hier immer ein klassischer Mischbetrieb gewesen. Damals hatten wir 15 Kühe mit entsprechender Nachzucht, 700 Mastschweine sowie Ackerbau“, erzählt er. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen begann er vor 25 Jahren mit der Spezialisierung auf die Schweinehaltung. Denn dafür bietet der Kreis Warendorf ideale Voraussetzungen, wie er betont: „Schweinehaltung hat in unserer Region eine große Bedeutung. Aufgrund der schwachen Böden war man zur Tierhaltung gezwungen. Außerdem sind hier die wirtschaftsbereiche um die Landwirtschaft stark ausgeprägt, angefangen von Tierärzten, Futtermittelproduzenten bis hin zu Schlachthöfen.“

Die heutigen Kennzahlen belegen, dass der Landwirt das richtige Gespür für die Zukunft seines traditionsreichen Hofs hatte: Die Anzahl der Mastschweine hat sich auf 3.500 verfünffacht. Sie werden am Hauptstandort und einem Pachtbetrieb in der Nachbarschaft gehalten. Auf 165 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche baut er Körnermais sowie Winterweizen, -gerste und -raps an – und verfüttert als Selbstmischer fast ausschließlich selbstangebaute und regionale Futtermittel. Auf dieser Basis hat Andreas Westermann einen neuen Bereich auf seinem Hof etabliert, der ihn schon immer interessiert hat: die Ferkelaufzucht. Diese betreibt er in einem eigenen Stall mit 1.660 Plätzen und kooperiert dafür mit einem Partnerbetrieb aus dem Paderborner Land, von dem er die vier Wochen alten und rund 8 kg schweren Ferkel bezieht.

„Je eher man mit dem Tier zu tun hat, umso besser kann man steuern, wie es ihm gesundheitlich geht“, erklärt Andreas Westermann seine Motivation dahinter. Die Arbeit mit den Schweinen macht ihm grundsätzlich sehr viel Spaß. Damit das auch so bleibt, hat er die Schweinehaltung in seinem Betrieb über die Jahre immer weiterentwickelt. Dabei spielt die Mechanisierung und Automatisierung der Arbeitsprozesse eine wichtige Rolle. „Wir haben die Schweine früher auf Stroh gehalten, in alten dunklen Ställen. Über die Jahrzehnte haben wir unseren Betrieb vollautomatisiert und rationalisiert, sodass die Technik die tägliche Arbeit und das Versorgen der Tiere übernimmt“, erzählt der Landwirt. Als seine eigene, wesentliche Aufgabe bezeichnet er, die Tiere kontinuierlich zu beobachten und bei Auffälligkeiten entsprechend zu reagieren. Er zitiert dazu gerne seinen Lehrherren, der ihm einen guten Rat auf den Weg gab: „Andreas, was dir Technik an Arbeit im Stall abnehmen kann, das lass‘ Technik machen – sei deshalb aber nicht weniger im Stall!“

Darüber hinaus investiert Andreas Westermann viel Zeit in sein Engagement für die Landwirtschaft in der Region. Er ist seit seinem 20. Lebensjahr im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband e.V. aktiv, davon 19 Jahre als Ortsverbandsvorsitzender und seit rund vier Jahren als Kreisverbandsvorsitzender im Kreis Warendorf. Ihm ist dabei wichtig, eine klare Haltung zu zeigen: „Ich erwarte von der Politik ein klares Bekenntnis zu einer Ernährungssicherung, die betriebswirtschaftliches Denken honoriert und nicht noch abhängiger von Förderungen macht.“.
Er befürwortet einen respektvollen Umgang zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft und ist aus diesem Grund auch aktiver Unterstützer der Kampagne MAG DOCH JEDER! „Ich finde es großartig, dass es möglich war, so etwas auf die Beine zu stellen – und ich finde, alle Landwirte sollten noch intensiver daran arbeiten, dass die Kampagne eine Zukunft hat“, sagt er.
Apropos Zukunft: Die hat der Vater von vier Kindern stets genauso klar im Blick wie die Tiere in seinen Ställen. Sein Ziel sei es, „der nächsten Generation einen ordentlichen, zukunftsfähigen Betrieb zu übergeben“, betont er. Wenn er seinen Kindern auch nur einen Bruchteil seiner eigenen Leidenschaft für die Landwirtschaft mitgegeben hat, sollte die Fortführung der Familientradition in jedem Fall gesichert sein.