Die Zuckerrübe: Sie ist als die Königin der Feldfrüchte bekannt, denn sie wächst nur auf ausgewählten Böden und verlangt eine gute Pflege – eben wie eine Hoheit. Wie die Zuckerrübe angebaut wird, wie der Zucker gewonnen wird und was aus den restlichen Bestandteilen der Rüben entsteht, erfährst du in diesem Beitrag.
Von der Futter- zur Zuckerrübe
Die Zuckerrübe gehört zu den Fuchsschwanzgewächsen und ist eng mit anderen Rüben, wie zum Beispiel der Roten Beete, verwandt. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Rübe ausschließlich an Tiere verfüttert. Zucker hingegen war ein teures Süßungsmittel, was ausschließlich aus Zuckerrohr in Übersee gewonnen und importiert wurde. 1747 entdeckte der Chemiker Andreas Sigismund Marggraf, dass unsere heimischen Rüben etwa 7% Zucker enthielten und sich zur Zuckergewinnung eigneten. Etwa 50 Jahre später öffnete die erste Zuckerfabrik Europas in Schlesien ihre Türen und brachte den Landwirten der Region eine neue, lukrative Einnahmequelle.
Heute ist Zucker kein Luxusgut mehr – ein Kilogramm Zucker kannst du heute für weniger als 1 Euro kaufen. Das liegt einerseits an neuen Züchtungen – heutige Rüben enthalten bis zu 22% Zucker -, andererseits haben maschinengesteuerte Prozesse die Arbeitsabläufe beim Anbau und bei der Ernte erleichtert und beschleunigt. Bis heute ist die Zuckerrübe eine Feldfrucht, die Knowhow und gute Pflege benötigt.
Zuckerrübenanbau
Von der Vorbereitung des Saatbeets im Herbst eines Jahres bis zur Zuckerrübenernte vergehen gut 12 Monate:
Standortauswahl: Die Zuckerrübe stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. So braucht sie ein gemäßigtes Klima, ausreichend, aber nicht zu viel Feuchtigkeit und Wärme. Der Boden sollte möglichst lehmig und sandig sein. Weil die Rübe dem Boden sehr viele Nährstoffe entzieht, sollte man sie außerdem nicht zweimal hintereinander auf dem gleichen Acker anbauen, sondern eine breite Fruchtfolge betreiben. Durch eine Gründüngung im Herbst vor der Rübenaussaat sollte der Boden zudem mit Nährstoffen und Humus angereichert werden.
Aussaat: Die jungen Samen der Zuckerrübe sind frostempfindlich. Deshalb erfolgt die Aussaat meist im März oder April, wenn keine Temperaturen unter 0 Grad mehr zu erwarten sind. Mit einer Sämaschine werden sie in Reihen ausgesät.
Pflege: Damit die Zuckerrüben optimal wachsen, brauchen sie ausreichend Nährstoffe, die über organische oder mineralische Dünger zugeführt werden. Als vergleichsweise langsam wachsende Pflanze, konkurriert die Zuckerrübe mit schnell wachsenden Unkräutern. Diese werden durch den Einsatz von Herbiziden oder durch Bodenbearbeitung bekämpft. Bei Pilz- und Schädlingsbefall werden Zuckerrüben je nach Bedarf Pflanzenschutzmittel aufgetragen. Bei extremer Trockenheit müssen die Rüben zudem bewässert werden.
Zuckerrübenernte: Zwischen Mitte September und November ist die Zuckerrübe erntereif. Den genauen Erntezeitpunkt sprechen die Landwirte mit der Zuckerfabrik ab, die die Rüben zu Zucker verarbeitet. Die Zuckerrübenernte erfolgt maschinell. Dabei wird die Rübe aus dem Boden gezogen und die Blätter werden vom Rübenkörper abgeschnitten. Die Rübenblätter bleiben als Dünger auf dem Feld zurück und die Rüben werden zu einer Zuckerfabrik transportiert.
Wie aus der Rübe Kristallzucker wird
In der Zuckerfabrik durchläuft die Zuckerrübe mehrere Verarbeitungsschritte, bis aus ihr das feine weiß-kristallene Pulver entsteht.
Von der Rübe zum Schnitzel: Nach der Reinigung der Rüben werden diese durch Schneidemaschinen zerkleinert. Dabei entstehen Streifen, die Rübenschnitzel genannt werden.
Vom Schnitzel zum Rohsaft: Zusammen mit Wasser werden die Schnitzel auf 70 Grad erhitzt. Ab dieser Temperatur platzen die Zellwände der Zuckerrübe auf und der Zucker kann aus den Schnitzeln herausgezogen werden. Die dabei entstehende Flüssigkeit nennt man Rohsaft.
Vom Rohsaft zum Dicksaft: Der Rohsaft wird gereinigt und gefiltert. Durch mehrmalige Veränderungen des pH-Werts können Kalk- und Kohlensäure aus dem Saft gelöst werden. Er kommt in eine Verdampfstation, wo ihm durch Hitzezufuhr Wasser entzogen wird – so entsteht Dicksaft.
Vom Dicksaft zum Zucker: Der Dicksaft besteht bereits zu einem großen Teil aus Zucker, in dem sich erste Zuckerkristalle gebildet haben. Dieser Saft wird nun bei hoher Geschwindigkeit geschleudert – so trennen sich Kristalle und die dickflüssige Melasse. Der Kristallzucker wird gekühlt, getrocknet und kann dann gelagert oder für den Verkauf verpackt werden. Um Puderzucker oder Kandis herzustellen, sind weitere Verarbeitungsschritte nötig.
Resteverwertung: Die Reste werden als Dünger oder Futtermittel genutzt. Auch die Melasse eignet sich als Tierfutterzusatz, kann aber auch zur Hefe- oder Bioethanolproduktion verwendet werden.
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