Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien wie Windkraft- oder Solarenergie bietet Bioenergie einige Vorteile. Gleichzeitig wird sie kontrovers diskutiert, denn sie hat Nebeneffekte für Menschen und Umwelt. Im folgenden Beitrag erfährst du, wie Bioenergie gewonnen wird und welche Aspekte für oder gegen diese Art der Energieerzeugung sprechen.
Bioenergie ist ein Oberbegriff für unterschiedliche biogene Rohstoffe, die durch verschiedene Verfahren energetisch nutzbar gemacht werden. Bioenergie kann aus Ackerpflanzen (wie Mais, Getreide oder Zuckerrüben), schnellwachsenden Gehölzen (wie Pappeln oder Weiden), Holz aus der Forstwirtschaft oder biogenen Abfällen aus Haushalten und Industrie, gewonnen werden. Bioenergie kann in unterschiedliche Kraftstoffe für die Strom- und Wärmeproduktion aufbereitet werden:
Aufgrund ihrer Vielfalt ist Bioenergie derzeit der Schwerpunkt der erneuerbaren Energien in Deutschland. Nimmt man alle drei Sektoren – Wärme, Strom und Kraftstoffe – zusammen, stammen 61%1 der aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen Energie aus Biomasse, gefolgt von Windkraft (21 %), Solar (11 %), Geothermie (4 %) und Wasserkraft (3 %). Unterscheidet man nach Sektoren, leistet Bioenergie den größten Anteil erneuerbarer Energie in der Wärmeerzeugung (85.5 %)2. In der Stromerzeugung liefert Windenergie mit 45,4 % den größten Anteil, Bioenergie etwa ein Fünftel (20,2 %).

Weil Energie aus Biomasse zu unterschiedlichen Aggregatzuständen verarbeitet werden kann, gibt es verschiedene Verfahren:
Ein großer Vorteil von Bioenergie ist ihre Vielfältigkeit. Schließlich kann sie in Gas, Strom oder Kraftstoffe umgewandelt werden, was vielfältige Nutzungsmöglichkeiten eröffnet. Diese Flexibilität bieten weder Photovoltaik noch Solarenergie. Manchmal ergibt sich sogar eine Doppelnutzung, wenn zum Beispiel mithilfe von Biogas sowohl Strom als auch Prozesswärme entstehen. Zudem ist Bioenergie speicherbar und kann Versorgungslücken schließen, wenn wetterbedingt Wind- und Solarenergie nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Landwirtschaftlichen Betrieben ermöglicht die Erzeugung von Bioenergie außerdem eine zusätzliche Einnahmequelle. Zuletzt leisten insbesondere mehrjährige Mischkulturen und Gehölze als Energiepflanzen einen Beitrag zum Klimaschutz, denn sie bieten Nahrungsquellen und Lebensräume für Wildtiere, speichern Nährstoffe im Boden und sind weniger stark auf Dünge- oder Pflanzenschutzmittel angewiesen.

Bei der Erzeugung von Bioenergie gibt es einige Nachteile. Die meisten Nebeneffekte ergeben sich bei eigens für Bioenergie angebauten einjährigen Pflanzen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Bei der Verwertung von Reststoffen wie Speiseresten, Mist und Gülle oder beim Anbau mehrjähriger Pflanzen in Mischkulturen hat Bioenergie eine positivere Gesamtbilanz.

Bioenergie bietet aufgrund seiner vielfältigen Anwendbarkeit einige Vorteile, besonders weil sie wetterunabhängig ist und Versorgungslücken aus anderen erneuerbaren Energiequellen ausgleichen kann. Gleichzeitig ist wissenschaftlich belegt, dass der Anbau von Energiepflanzen, vor allem bei einem großflächigen Anbau einjähriger Pflanzen, ungewünschte Nebeneffekte hat. Deshalb empfiehlt der Sachverständigenrat der Bundesregierung, den Anbau von spezifischen Energiepflanzen nicht auszuweiten. Weniger umstritten ist die Erzeugung von erneuerbaren Energien aus Reststoffen, wie Stallmist oder Lebensmittelabfällen, die über Biogasanlagen vergärt werden können. Auch aus anderen Ländern stammende Pflanzen, wie die Staude Silphie oder die Hirse, bieten vor allem in mehrjährigen Mischkulturen die Möglichkeit, die Klimabilanz von Bioenergie zu verbessern.
Quellen:
1) Bundesinformationszentrum Landwirtschaft ("Energie aus nachwachsenden Rohstoffen")
2) Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V ("Nutzung Bioenergie")
3) Umwelt Bundesamt ("Bioenergie") | Planet Wissen ("Energie aus Biomasse")